Persönliche Werte prägen Karriere und Leben.

Warum es sich bei Jobproblemen lohnt, zu prüfen, ob Ihre persönlichen Werte noch zu Ihnen passen und wie Sie dazu überraschende Erkenntnisse gewinnen können. 

Viele Menschen glauben, dass ihre Fähigkeiten der einzige Faktor dafür sind, wo sie beruflich stehen. Doch viel wichtiger oft sind es die persönlichen Werte und die Einstellung, die mitbestimmen, wie weit jemand in seiner Karriere kommt

Werte bestehen aus den Dingen, die Sie denken und glauben, die für die Art und Weise, wie Sie arbeiten und Ihr Leben führen, wesentlich sind.

Ihre Werte sind es, die Ihnen helfen, Ihre Prioritäten sowohl bei der Arbeit als auch im Leben zu finden.

Sie werden Ihr Leben als gut empfinden, wenn Ihre Entscheidungen, Ihr Verhalten und Ihr Lebensstil tatsächlich Ihren Werten entsprechen. Auf der anderen Seite werden Sie immer das Gefühl haben, dass etwas nicht stimmt, wenn Dinge und Entwicklungen im Beruf nicht mit Ihren persönlichen Werten übereinstimmen. Deshalb ist es hiflreich, dass Sie Ihre Werte  identifizieren und Ihr Leben danach auszurichten.

Hier kann ein spezielles Business-Coaching helfen, einen Wertekonflikt und seine Ursachen zu identifizieren, zu bearbeiten und eine Lösung dafür zu finden. So wie in diesem Beispiel aus meiner Coaching-Praxis.

Sebastian K., 43 Jahre, leitender Jurist in der Rechtsabteilung eines Konzerns, kam auf Empfehlung eines Geschäftsfreunds.

„Mein Problem ist, dass ich ein Perfektionist bin. Ich weiß, dass das in manchen Bereichen wichtig und sinnvoll ist, aber nicht in meinem Arbeitsbereich. Da muss man mit vielen Ungenauigkeiten umgehen oder aufgrund unvollständiger Daten wichtige Entscheidungen schnell treffen. Ich kann das manchmal, aber ich fühle mich nicht wohl. Dann versuche ich Dinge zu objektivieren, eine ideale Struktur dafür zu finden, so dass mein Chef und meine Mitarbeiter immer wieder mit den Augen rollen. Ich komme mir aber sonst vor wie ein Stümper, der irgendwann auffliegt.“
 

Wie wirken sich Ihre Werte auf Sie aus?

Ob Sie sich dessen bewusst sind oder nicht, Sie können nicht ohne Werte leben. Je genauer Sie Ihre Werte kennen, umso leichter ist es für Sie, Ihr Leben in Übereinstimmung mit Ihren Werten zu führen.

  • Stellen Sie sich vor, Sie müssen 70 Stunden pro Woche arbeiten und sind gleichzeitig jemand, der seine Familie liebt – es ist klar, dass Sie bald unter Konflikten und Stress leiden werden.
  • Wenn Sie jemand sind, der es nicht genießt, mit anderen zu konkurrieren und Sie in eine Situation sind, wo starker Wettbewerb herrscht, denken Sie, dass Sie an diesem Arbeitsplatz Zufriedenheit finden werden?

In solchen Situationen kann der Konflikt zwischen Ihren Werten und den Dingen, die Sie tatsächlich tun, Ihre Lebensqualität definitiv beeinträchtigen. Aber wenn Sie ein klares Verständnis Ihrer eigenen Werte haben, wird es für Sie viel einfacher sein zu entscheiden, ob Sie am richtigen Ort sind oder nicht.

Wenn Sie sich Ihrer eigenen Werte bewusst sind, werden Sie es nicht schwer haben zu entscheiden, welche Tätigkeit Sie ausüben sollten, ob Sie eine Beförderung annehmen oder ablehnen oder ob Sie Ihren Arbeitsplatz behalten oder verlassen sollten.

 

Wie wirken sich Ihre Werte auf Sie bei der Arbeit oder in Ihrem Unternehmen aus?

Ihre Werte beschreiben, was Ihnen wichtig ist, in der Art und Weise, wie Sie Ihr Leben führen. Sie geben Ihrem Leben Orientierung, stiften Sinn, sind die Grundlage für Ihre Überzeugungen. Darüber hinaus beeinflussen sie Ihre Entscheidungen, Handlungen und Verhaltensweisen und prägen das Leben, das Sie führen möchten.

Beispiele für Werte sind:
Respekt, Offenheit, Unabhängigkeit, Privatsphäre, finanzielle Sicherheit, Kreativität, Optimismus, Glück, Familienorientierung, Erfolg, Gesundheit, Mitgefühl, Freundlichkeit, Ausdauer, Spontaneität, Vertrauen, Perfektion, Bescheidenheit, Treue, Spaß, Professionalität und Genauigkeit.

Jeder Mensch hat einen anderen Wertekanon, wobei jedem Wert auch ein unterschiedlicher Grad an Bedeutung zugemessen wird. Viele Menschen können ihre Werte nur unklar äußern, weil sie sich zu wenig damit beschäftigt haben.

Die prägendsten Werte in unserer Persönlichkeit stammen aus dem Elternhaus und den Erfahrungen, die wir dort gemacht haben.
Hier einige Beispiele, auf wie verschiedene Weise Ihre Werte Ihre Arbeit beeinflussen:

Werte können Ihre Arbeit unterstützen und erleichtern. 
Wenn Ihre Werte auf Ihre Arbeit oder Ihr Unternehmen ausgerichtet sind, werden Sie feststellen, dass sie Ihre Arbeit unterstützen und anregen. 
Zum Beispiel wenn „Vertrauen“ ein hoher Wert für Sie ist, und Sie von vielen Menschen im Job als vertrauenswürdig erlebt werden und Sie andererseits den anderen vertrauen können.

Werte können Ihre Arbeit erschweren. 
Wenn einige oder alle Ihre Werte im Widerspruch zu Ihrer Arbeit stehen, werden Sie sich wahrscheinlich sehr verunsichert oder gestresst fühlen. 
Wenn Sie Wert auf „Genauigkeit“ leben, aber feststellen, dass Sie aufgrund des schnellen Wachstums Ihres Unternehmens zu viel zu tun haben und die Dinge nicht rechtzeitig abgeschlossen werden, werden Sie sich wahrscheinlich sehr unwohl fühlen.

Werte können Ihnen Stress machen.
Wenn Sie sich bei der Arbeit gestresst fühlen, ist es wichtig, die Ursache des Stresses zu verstehen, indem Sie die Situation untersuchen. 
Wenn „finanzielle Sicherheit“ ein Wert für Sie ist, Sie aber als Selbständiger immer wieder um Aufträge bangen, werden Sie sich häufig unwohl und unsicher fühlen.

Werte können die Beziehungen bei der Arbeit beeinflussen.
Ihre Beziehungen bei der Arbeit können beeinträchtigt werden, weil Ihre Werte und die der Person, mit der Sie es zu tun haben, unterschiedlich sind. 
Wenn zum Beispiel Wert auf „Privatsphäre“ legen, kann es Sie stören, dass es in Ihrer Abteilung üblich ist, viel über seine Wochenende- oder Urlaubserlebnisse zu erzählen und man auch Ihnen Fragen zu Ihrem persönlichen Leben stellt.

Werte können den Sinn, den Sie in Ihrer Arbeit sehen, beeinflussen.
Ihre Werte zeigen Ihnen, ob Sie in der richtigen Rolle oder in der richtigen Branche sind oder nicht.
Wenn Sie „Kreativität“ über alles schätzen, aber Ihre Rolle oder das Unternehmen als Ganzes verlangen, dass Sie Prozesse und Verfahren mit wenig Spielraum für Kreativität und neue Ideen befolgen, sind Sie wahrscheinlich in der falschen Rolle oder arbeiten für das falsche Unternehmen.

Werte können für Konflikte zwischen Privat- und Berufsleben sorgen.
Wenn Sie „Erfolg“ schätzen und dies mit langen Arbeitszeiten verbunden ist, aber Sie auch das „Familienleben“ lieben, was heißt, dass Sie mehr Zeit mit Ihrer Familie verbringen wollen, dann werden Sie eine Diskrepanz zwischen Ihrem Privat- und Geschäftsleben haben. 
Wenn Ihre Werte „Karriere“ und „Gesundheit“ sind und Sie sich aufgrund der langen Arbeitszeiten sehr gestresst sind und zu einem ungesunden Lebensstil neigen, haben Sie einen Wertekonflikt.

Werte können Ihren Führungsstil beeinflussen.
Wenn Sie z.B. „Authentizität“ schätzen, werden Sie wahrscheinlich auf authentische Weise führen wollen. Das muss aber auch von der Kultur im ganzen Unternehmen getragen werden. Wenn Sie mit Ihrem offenen Führungsstil dann immer wieder anecken, wird es schwer, diesen Wert an dieser Position zu leben.

Aus den obigen Ausführungen wird klar, welch großen Einfluss Ihre Werte bei der Arbeit und in Ihrem Privatleben spielen. Doch was tun, wenn sich Werte negativ auf Ihr Leben und Ihre Arbeit auswirken?

Zurück zu meinem Klienten, der ein 3-h-Coaching bei mir gebucht hatte:

Sein Krawattenknoten saß perfekt, die Schuhe wie nochmal poliert, zweimal vor unserem Termin hatte er sich über die Uhrzeit vergewissert – seine Selbstdiagnose mit dem Perfektionismus war wohl zutreffend.
Er sah sich im Raum um. Unwillkürlich dachte ich, ob ihm wohl auffallen würde, dass meine Sessel schon einige Jahre alt war, dass die Bücher im Regal ziemlich unordentlich dort standen und meine Schuhe nicht frisch geputzt waren.
Aber meinen Klienten beschäftigten wichtigere Sachen. „Ich war schon bei zwei Coaches, aber das hat mit wenig gebracht. Dort habe ich verschiedene Tests ausgefüllt, die haben mit freundlich zugehört und was vom Paretoprinzip erzählt. Das kenne ich natürlich. Was ich nicht weiß, ist, warum für mich Perfektionismus einen so hohen Wert darstellt, ich aber jeden Tag erlebe, wie hinderlich das in meiner Arbeit ist.“

In meinem tiefenpsychologischen Ansatz des Coachings gehe ich davon aus, dass ein entscheidender Teil unserer Werte aus unserer Herkunftsfamilie stammt. Meist ist uns das nicht bewusst, aber ein Blick auf Kindheit und Jugend macht das schnell deutlich.

„Erzählen Sie mir etwas von Ihren Eltern. Wie waren die so? Haben Sie Geschwister?“, fragte ich deshalb meinen Klienten.

„Meine Eltern waren beide Ärzte. Mein Vater Chirurg, meine Mutter Anästhesistin. Sie waren beide voll berufstätig, um uns hat sich meistens unsere Oma, die Mutter meiner Mutter, gekümmert, die bei uns im Haus lebte. Ich habe noch eine Schwester, drei Jahre jünger.“

„Chirurg und Anästhesistin, da war bestimmt Sauberkeit in Ihrem Elternhaus oberstes Gebot“,vermutete ich.

„Oh ja,“ lachte Sebastian K. etwas verkniffen „das Geschirr musste zweimal mit der Hand abgespült werden, weil mein Vater jeder Geschirrspülmaschine misstraute. Vor dem Zubettgehen wurden wir abgeduscht, auch wenn wir mal den ganzen Tag nur zu Hause waren. Brot wurde jeden Tag frisch gekauft, weil meine Mutter überzeugt war, dass es nach einem Tag schon Schimmel haben könnte, dessen unsichtbaren Sporen man aber nicht sähe.“

Ich bekam ein leicht enges Gefühl bei der Schilderung aus dem Elternhaus des Klienten. Mir schien, dass der elterliche Perfektionismus schon leicht zwanghafte Züge hatte.

„Wie war das mit Ihrer Schwester damals?“, wollte ich wissen.

„Die ersten zehn Jahre ganz gut, wir haben viel miteinander gespielt, weil unser Haus in einem Wald stand, weitab vom nächsten Dorf. Aber mit zwölf entwickelte sie eine starke Magersucht, was für meine Eltern die Hölle war. Sie begann erst wieder normal zu essen, als sie mit 17 Jahren ein Austauschjahr in Amerika machte. Heute geht’s ihr gut.“

Die Werte, die man im Elternhaus erlebt, prägen einen immer. Einfach, weil man täglich damit zu tun hat und man ihnen nicht ausweichen kann. Auch kann man als Kind nicht die Familie verlassen oder die Eltern austauschen. Man muss mit den Werten und den Familienmitgliedern täglich leben und seinen Umgang damit finden. Entweder indem man sich an die anpasst und sie übernimmt – oder dagegen rebelliert, so wie es die Schwester wohl mit Ihrer Magersucht unbewusst versucht hatte.

„Waren Sie denn als Junge auch schon so perfektionistisch?“, fragte ich.

„Ich glaube, ich bin schon so auf die Welt gekommen“, lachte Sebastian K. etwas verkniffen. 
„Jedenfalls schwärmte meine Mutter immer von meiner perfekten Geburt, ganz leicht und ganz schnell sei ich geboren worden. Ich war auch immer Klassenbester, weil mir der Stoff und das Lernen leichtfiel. Und auch, wenn ich mal eine 1/2 nach Hause brachte, die übliche Frage kam „Und warum keine Eins?“

Menschen, die in mein 3-h-Coaching kommen, wissen, dass ihr Problem auf eine rationale Weise nicht zu lösen ist. Sie haben schon genug darüber gelesen, vielleicht auch ein Seminar dazu besucht, Freunde gefragt, sich Gedanken gemacht – gebracht hat es wenig.

Denn Probleme, die sich ernsthaften Veränderungsversuchen widersetzen, haben meist eine andere Ursache. Das störende Verhalten, so sehe ich es zumindest, ist die Spitze eines Konflikts, der unter der Oberfläche, im Unbewussten liegt. Deswegen helfen auch übliche Informationen oder Einsicht, dass das Verhalten doch Quatsch ist, nichts.

Meine Hypothese über die Ursache des übertriebenen Perfektionismus von Sebastian K. war, dass er auf einer inneren Ebene sich noch nicht genug von den Werten seiner Eltern gelöst hatte. Äußerlich schon, er war 43 Jahre, ein erfolgreicher Jurist, verheiratet, drei Kinder, eigenes Haus.
Denn zum Erwachsensein gehört nicht nur, dass man älter wird, das passiert ja von allein, sondern dass man sich innerlich auch von den Eltern gelöst hat. Das schien mir bei meinem Klienten noch nicht ganz vollzogen. Hinweise darauf waren, dass er regelmäßig Heiligabend bei seinen Eltern verbrachte, während seine Familie allein zu Hause feierte.

„Meine Schwester hat dazu keine Lust und meinen Eltern ist es aber enorm wichtig“, lautete seine Begründung für dieses ArrangementDanach fuhren alle gemeinsam zehn Tage in den Winterurlaub, den der Vater finanzierte. Die Ehefrau von Sebastian K. fand das zwar zu Anfang seltsam, fügte sich aber in das unveränderliche Ritual. „Das ist Tradition bei uns, seit den Kindertagen“, war die Erklärung gewesen.

Meine Hypothese, dass mein Klient mehr die Werte seiner Eltern als seine eigenen lebte, wollte ich mit ihm gemeinsam überprüfen.

Das mache ich in Form eines kleinen Experiments, in dem ich den Klienten einen positiven Satz sagen lasse. Er soll dabei nicht über den Satz nachdenken, sondern achtsam, mit geschlossenen Augen, beobachten, was an inneren Reaktionen in ihm abläuft. Also welche Körperempfindungen, Gefühle oder Gedanken der Satz auslöst.

Als Sebastian K. bereit war, sagte ich zu ihm: „Ich bitte Sie, mal den Satz zu sagen «Mein Leben gehört mir.«

Nach ein paar Sekunden schlug der Klient wieder die Augen auf: „Ein seltsamer Satz. Erst hatte ich Mühe, ihn rauszubringen als ob es da eine Sperre gäbe. Und dann, als ich ihn gesagt hatte, war da ein Gedanke: «Wirklich?«

Dass Sebastian K. Widerstand gegen den Satz entwickeln würde, hatte ich erwartet und verstand seine skeptische Reaktion als Bestätigung meiner Hypothese, dass er mehr die Werte seiner Eltern lebt statt seiner eigenen.

Denn der Satz beschreibt ja eine Tatsache. Hätte ich ihn sagen lassen „Ich bin Jurist“, hätte er wohl kein Problem damit gehabt, den Satz zu sagen und als stimmig zu erleben.

„Mir kommt der Satz so egoistisch vor“, sagte Sebastian K., jetzt. „Ich erinnere mich, dass mein Vater hin und wieder sagte «Mein Leben gehört der Medizin und meinen Patienten«. Und meine Mutter hätte vielleicht gesagt: «Mein Leben gehört meiner Familie«.“

Wie würde Ihre Frau auf den Satz «Mein Leben gehört mir«? reagieren“ fragte ich den Klienten. „Die würde ganz gleichmütig sagen: «Ja sicher, wem denn sonst?«

Der Satz, mit dem wir arbeiteten, macht deutlich, wie selbstbestimmt jemand sein Leben empfindet. Im Fall meines Klienten, der innerlich noch zu sehr an seine Eltern gebunden ist, kommt ihm der Satz fremd vor, sogar egoistisch.

Doch nur wenn man innerlich davon überzeugt ist, dass einem das eigene Leben gehört, kann man es auch ganz gestalten. Kann man seine eigenen Werte und Einstellungen wählen und muss nicht unbewusst die Werte der Eltern fortführen.

 Perfektionismus – und fast schon eine übertriebene Ordnungssucht - war im Leben der Eltern des Klienten vorherrschend. Sicher durch den Beruf bedingt, aber wohl auch durch die unbewusste Angst vor dem Unplanbaren, dem Chaotischen, dem Spontanen.

Wir sprachen noch eine Weile über Erinnerungen, die meinem Klienten kamen, wie sehr er Ordnung, Struktur und Genauigkeit brauchte, weil sie ihm eine vermeintliche Sicherheit versprachen. Aber er wusste auch vom Leben mit seinen Kindern, dass man nie ein idealer Vater sein kann, höchstens ein „good enough father“.

Gegen Ende des 3-h-Coachings stellte in meinem Klienten noch eine Umsetzungsfrage: „Angenommen, wie durch ein Wunder würden Sie ab morgen realisieren, dass Ihr Leben wirklich Ihnen gehört. Was würden sie anders machen – und was würden Sie nicht mehr machen?“

Sebastian K. musste nur drei Sekunden nachdenken, dann kamen schon seine Einfälle: „Ich würde nicht mehr jeden Tag um acht am Schreibtisch sitzen, sondern mindestens zweimal die Woche mit meiner Familie frühstücken und später im Büro auftauchen. Außerdem würde ich nicht jede Mail, jeden Brief zweimal durchlesen, sondern nur noch einmal. Und ich würde mit meinen Eltern reden, dass ich nächste Weihnachten ganz mit meiner Familie feiern werde.“

Nach vier Wochen erhielt ich eine Mail von Sebastian K. Es ginge ihm sehr gut. Das mit dem Familienfrühstück habe er umgesetzt. Den Anruf bei den Eltern wegen Weihnachten schiebe er noch vor sich her, wolle aber daran festhalten. Aber das Wichtigste wäre, dass er jetzt wisse, dass absolute Genauigkeit in seinem Arbeitsfeld gar nicht möglich sei. Vieles in seinem Beruf als Personaler sei doch Einschätzungssache, habe mit Gefühlen und Interpretationen zu tun, ließe sich oft nicht objektivieren.

Ich schrieb ihm zurück, dass er ähnlich wie seine Eltern ja auch viel mit Menschen arbeite. Nur dass seine Klientel nicht bewusstlos sei.