Die systemisch-autonome Haltung

Die sechste Phase der Ich-Entwicklung: Jeder hat recht in seinem subjektiven Angst- und Denksystem

"Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt."

Um dieses Statement leben zu können, müssen wir uns erstmal die mögliche Veränderung vorstellen können. Dazu integrieren wir im systemischen Denken viele Dimensionen, die wir zuvor nicht mit einbeziehen.

Systemisches Denken erkennt nicht nur verschiedene Sichtweisen, wir erkennen auch verschiedene Dimensionen. 

Ort, Zeit, kultureller Hintergrund und Kontext spielen eine Rolle. Wir existieren immer in Verbindung mit unserer Herkunft, Bildung, Kultur und mit unseren Werten. Alle unsere Gedanken sind subjektive Bewertungen und von unseren vergangenen Erlebnissen geprägt. Wir existieren immer in Verbindung mit diesem System. 
Zeit ist eine komplexe Dimension. Die Vergangenheit mit einzubeziehen, erklärt Kultur und Prägungen. Langfristiges, nachhaltiges Denken ermöglicht uns, die schöne Welt der Zukunft zu erkennen.
Der Ort ist eine weitere Dimension. So unterschiedlich wir Menschen sind: Da wir Teil des Ganzen sind, sind wir doch alle miteinander verbunden. Globales Denken verknüpft alle lokalen Differenzen in einem komplexen, verwobenen Netz. Es geht um eine ganzheitliche, vielschichte Ausrichtung. Wir existieren nicht getrennt voneinander, wir sind Teil der Erde. Wir erkennen die real existierende Vielfalt, das Chaos, die Widersprüche, wo sie herkommen und wie sie miteinander verbunden sind. 

In der systemisch-autonomen Haltung erkennen wir unsere eigene Subjektivität und Vielheit.

Wir erkennen die verschiedene Persönlichkeitsanteile in uns und sind in Frieden mit unserem eigenen Zwiespalt. Wir sehen den eigenen Schatten nicht nur, wir haben uns mit ihm und unseren eigenen negativen Anteilen versöhnt. Diese innere Autonomie und die damit verbundene Reife macht ein unneurotisches Miteinander möglich. Die erlernte Empathie und das Selbstvertrauen aus den vorherigen Haltungen sind eine notwendige Grundlage um die innere Autonomie zu begreifen. Auch erkennen wir unser Gegenüber als Individuum an, denn wir haben Respekt vor der Autonomie anderer. Wir sehen dessen Einflüsse, dessen kulturellen Hintergrund, dessen Bildung und die damit einhergehende Haltung. Wir sind die Summe unserer Einflüsse und unserer Gedanken. Auf diese Weise sind wir mit dem System verbunden, in dem wir uns befinden.

Jeder hat recht in seinem subjektiven Angst- und Denksystem

Zur systemisch-autonomen Haltung gehört ein gewisser Grad von Volition.

Volition meint die Fähigkeit, die eigenen Gedanken, Emotionen, Motive und Handlungen bewusst und willentlich so zu steuern, dass aus Zielen Resultate und Ergebnisse werden. Um das zu erreichen, müssen wir innere und äußere Widerständen wie Unlustgefühle oder Ablenkungen überwinden. 
Die meisten unserer Gedanken sind uns bekannt und wiederholen sich ständig, um uns in unserem eigenen Denken zu bestätigen. Wir können unsere Aufmerksamkeit in dieser Haltung bewusst steuern und unsere Gedanken konstruktiv in gezielte Handlungen umsetzen. Unser Aufmerksamkeitsfokus wird bewusst gelenkt. Wir realisieren, dass wir uns von unserem Gehirn nicht alles gefallen lassen müssen. Wir müssen nicht alle Gedankenströme zulassen, als würden sie uns passieren. Wir können unsere Gedankenströme bewusst steuern.

Meditation ist ein Tool, um sich von den eigenen Gedankenströmen zu lösen. Es ist eine Übung für die bewusste Steuerung der Gedanken. Dabei versuchen wir, den Gedanken nicht einfach zu folgen, nur weil sie aufkommen. Wir sind nicht unsere Gedanken und müssen uns von ihnen nicht ziellos leiten lassen. Meditation ist eine gute Übung, um die systemisch-autonome Haltung mehr und mehr einnehmen zu können.

Diese Haltung spiegelt sich in unserer Sprache wider. In der systemisch-autonomen Haltung haben wir eine differenzierte, individuelle und bildreiche Ausdrucksweise. In den Formulierungen wird sichtbar, wie alle Dinge in Verbindung und Verhältnis zueinander stehen. 

Sätze, die aus der systemisch-autonomen Haltung kommen

"Erfolg ist, Gedanken, die scheinbar fremd sind, zu einem neuen Konstrukt zu verbinden und damit eine neue Qualität schaffen. an dieser neuen Qualität soll jeder partizipieren können und dadurch Teil einer Entwicklung werden können."

"Regeln sind von Natur und Menschen gesetzt und nicht immer unumstößlich. Sie können hilfreich zum Überleben oder auch nur zur Orientierung sein. Oder aber um sich an ihnen abzuarbeiten und sie ggfs. zu verändern oder abzuschaffen." 

"Wenn ich an meine Grenzen stoße, suche ich entweder Unterstützung oder Rat, um die Grenzen zu überwinden, oder ich gönne mir Abstand und Ruhe, um zu reflektieren, ob ich die Grenzen ernst nehmen möchte, ob es überhaupt Grenzen sind oder nur vermeidliche Hürden des Systems, die mich gar nicht behindern." 

"Wenn ich kritisiert werde, versuche ich zuzuhören, ohne mich dabei aber verunsichern zu lassen. trotzdem nutze ich Kritik gerne, um über mich selbst zu reflektieren. Wenn ich Kritik von jemanden erhalte, versuche ich, seine oder ihre Bedürfnisse zu befriedigen, ohne mich selbst zu sehr einzuschränken. Sehe ich, der andere projiziert stark aus seiner eigenen Bedingtheit, lasse ich die Kritik bei ihm."

"Mein Gewissen plagt mich, wenn ich gegen meine moralisch-ethischen Regeln verstoße oder wenn ich jemanden dazu gebracht habe, für die Firma privat viel aufzugeben, und ich sehe, dass das nicht förderlich für diese Person ist, und ich es trotzdem zulasse."

Oder wie Michelle Obama sagt:

"Begnügen wir uns mit der Welt, wie sie ist? Oder arbeiten wir für die Welt, wie sie sein könnte?"

Hierbei bezieht sie in ihre Aussage die Zeit, die mögliche Veränderung in der Zukunft und den Zusammenhang dieser Zukunft zu unseren Taten im Jetzt mit ein.

Typische Aussagen aus der systemisch-autonomen Haltung

"Unser Leben ist das, wozu es unsere Gedanken machen."

"Alles ist richtig, aber nicht gleichwertig." 

"Ich muss mir von meinem Gehirn nicht alles gefallen lassen."

"Wir sehen nur, was wir sehen. Wir sehen nicht, was wir nicht sehen."

"Wir müssen die Veränderung sein, die Wir in der Welt sehen wollen." 

Es ist nie zu spät, das zu werden, was wir hätten sein können. 

Die systemisch-autonome Haltung erlaubt uns, als eigenständige Erwachsene inkludierend zu handeln, gut zuzuhören und Zugang zu unseren Gefühlen zu bekommen. Das hört sich einerseits sehr idealistisch, andererseits doch so banal an. Es ist so offensichtlich simpel, dass wir uns wundern, warum es uns oft so schwerfällt, diese Haltung anzunehmen. Die Herausforderung liegt in der Selbsterkenntnis.

In der systemisch-autonomen Haltung erkennen wir nicht nur die Vielheit der Realitäten. Wir sehen nicht bloß verschiedene Perspektiven, sondern verschiedene Dimensionen. Wir bringen die verschiedenen Ansichten in Verbindung miteinander. Alles was wir sehen und wahrnehmen, unterliegt konstantem Wandel. Nichts IST.

Alles ist in Bewegung, verändert sich im Lauf der Zeit und durchlebt Weiterentwicklung.

Wir als Menschheit stehen mittlerweile vor globalen Problemen, die zu komplex sind, um sie alleine zu lösen. Erderwärmung, Wassermangel, Geflüchtete, Atommüll und künstliche Intelligenz sind nur auf globaler Ebene zu lösen. Dazu brauchen wir gemeinsame Werte, denn diese sind die authentische Grundlage für gemeinsame Ziele. Diese gemeinsamen Ziele brauchen wir, um solch komplexe globale Probleme nachhaltig und langfristig zu lösen. Dazu müssen wir mehrere Generationen in die Zukunft denken und Abstand nehmen von momentanen, kurzfristigen Ansätzen. Wir müssen die Gesamtheit erkennen und brauchen das erweiterte Denken der systemisch-autonomen Haltung, welches die Dimension der Zeit mit einbezieht. 

Kurzfristige schlimme Dinge passieren. Wir tendieren dazu, uns auf diese zu stürzen und den Blick fürs große Ganze zu verlieren. Wir reden nicht täglich darüber, dass der Zuwachs der Weltbevölkerung mit jedem Jahr abnimmt. Wir reden nicht täglich darüber, dass wir uns alle immer besser miteinander verknüpfen und mehr Verständnis füreinander bekommen. Wir reden nicht täglich darüber, dass die Kindersterblichkeit in den letzten Jahren drastisch gesunken ist. Wir fokussieren uns auf den schlimmen Konsum, statt zu realisieren, dass wir bereits rasant lernen, weniger zu verschwenden und zu konsumieren. Mehr Kinder als je zuvor gehen zur Schule und lernen lesen und schreiben und werden mit dem Internet verbunden. Mehr junge Frauen als je zuvor haben Zugang zu Bildung und besuchen Universitäten. Die Welt, in ihrer Komplexität, ist auf einem konstanten Weg nach oben. Doch wir verlieren den ganzheitlichen Blick und sehen diese positiven Veränderungen nicht, wenn wir abgelenkt sind. Wir werden abgelenkt durch momentane, schlimme Ereignisse, die passieren und einfacher zu erkennen sind als die komplexe, verwobene, positive Entwicklung. Wir leben in einer stabilisierenden, urbanisierenden, alternden, verbundenen Welt.

Wir leben in einer neuen Welt, die neues Denken erfordert.

Die Erkenntnis, dass wir Herr im eigenen Haus sein können und unsere Gedanken und Handlungen bewusst leiten können, bedeutet auch, dass wir für uns selbst alles sein können.

Wir können uns selbst im Weg stehen oder aber unser eigener, größter Unterstützer und bester Freund sein.

Wir haben die Wahl. Das gilt auch auf globaler Ebene. Wir können uns von momentanen Feindbildern steuern lassen oder uns alle als eine Menschheit, ein großes Miteinander begreifen. Wir können füreinander die besten Freunde, Unterstützer und Weiterentwickler sein. Wir haben die Wahl. Durch das Etablieren gemeinsamer, globaler Werte können wir diese als Grundlage für zukunftsorientierte, nachhaltige Ziele formulieren, denn sie sind die authentische Grundlage gemeinsamer Ziele. Auf der Grundlage dieser gemeinsamen Werte und Ziele treffen wir transparente Entscheidungen. Wir integrieren unsere Werte in unser Handeln. 

"Werte sind wie Fingerabdrücke, keiner hat dieselben, doch du hinterlässt sie bei allem, was du tust."

Die 17 Ziele für nachhaltige, globale Entwicklung von den Vereinten Nationen sind ein Ansatz für solche globalen Ziele. Sie berücksichtigen die Entwicklung über die Zeit hinweg, beziehen verschiedene Entwicklungsstadien der Länder mit ein und sorgen für globale Balance. Sie bieten den Ausblick auf die schöne Welt der Zukunft, in der niemand mehr an Hunger und Durst leidet, in der Gleichberechtigung und Chancengleichheit überall gegeben sind. Bildung und Gesundheit sind eine Selbstverständlichkeit für jeden und wir leben nachhaltig im Einklang mit einander und der Natur. Das ist die Vision. Dahin wollen wir gehen. Die schönere Welt, die unsere Herzen kennen, ist möglich. Auf dem Weg dorthin entscheidet unsere Haltung. 

Charles Eisenstein sagte mal: Nur wenn wir uns als Gesellschaft der Gemeinschaft allen Lebens auf Erden anschließen, ist Heilung möglich. 

Mit anderen Worten müssen wir uns bewusst für ein nachhaltiges Leben miteinander auf dieser Erde entscheiden. Wir sind alle Teil vom Leben dieser Erde und gleichzeitig ist jeder von uns ein autonomes, freies, Individuum. Dieser "Widerspruch" macht es vielen schwer die systemisch-autonome Haltung anzunehmen. Uns hemmt die Angst davor, die eigene Individualität zu verlieren, wenn wir uns als Teil des Systems begreifen. Die Erkenntnis, dass wir dennoch autonom sind, befreit uns von dieser Angst. 

Vom globalen Sinn zurück zum Alltag

Die systemisch-autonome Haltung löst nicht nur auf globaler Ebene viele Probleme, sie kann uns auch den Alltag erleichtern. Um die systemisch-autonome Haltung auch im Alltag anzunehmen, haben wir drei einfache Hilfsmittel:

Präsenz und gerichtete Aufmerksamkeit auf unsere Gedanken und unser Handeln hilft uns, diese bewusst zu lenken.

Mut hilft uns, neue Erfahrungsräume zu betreten, die es möglich machen, neue Haltungen anzunehmen.

Empathie hilft uns, neue Möglichkeiten zu erkennen und viele Aspekte auf dem Weg zum Ziel zu berücksichtigen. 

Warum diese Qualitäten gerade für Menschen wichtig sind, die kein Hindernis für die Entwicklung ihrer Organisation sein wollen, erfahrt Ihr in diesem Video.

Für mehr hilfreiche Tipps für ein schönes Leben lest das Buch "Haltung entscheidet", hört unseren Podcast oder esst Käsekuchen. 

Haltung entscheidet über Zukunft 

Unser Modell der 6 Haltungen stellen wir ausführlich in unserem neuen Buch HALTUNG ENTSCHEIDEdar. Es bietet anschauliche Einblicke in die Entwicklung von Führung, Team und Organisation. Alle Beispiele stammen aus der Praxis und machen es leicht, das neue Wissen für sich zu integrieren.

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